Jahrgang 45
Alfred und Lisa – genannt Al und Li – ein junges Paar aus dem Prenzlauer Berg, haben entschieden, sich zu trennen. Das enge Altbauzimmer erdrückt sie, vor allem Al, der sich als Automechaniker und Motorradliebhaber nach Freiheit sehnt. Li, die als Säuglingsschwester arbeitet, leidet deutlich unter der Trennung und hofft auf ein klärendes Gespräch. Vielleicht gibt es doch einen Weg zurück zueinander.
JAHRGANG 45 gehört zu den sogenannten „Verbotsfilmen“. In Folge des 11. Plenums des SED-Zentralkomitees wurde der Film im Rohschnitt verboten und erst nach dem Mauerfall fertiggestellt. Die Premiere folgte erst 1990 in der Akademie der Künste und auf der Berlinale. Aus heutiger Sicht wirkt das Verbot überraschend, denn offene Systemkritik sucht man vergeblich. Auffällig ist vielmehr die Ästhetik: vollständig an Originalschauplätzen Ost-Berlins gedreht, inspiriert vom italienischen Neorealismus und der tschechischen Neuen Welle. Besonders missfiel die Darstellung junger Männer wie Al, die ziellos in den Tag leben und nicht dem Idealbild einer fleißigen DDR-Jugend entsprechen.
Jürgen Böttcher, einer der bedeutendsten Filmschaffenden der DDR, wurde vielfach ausgezeichnet und feiert in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag.
Bild © DEFA-Stiftung / Roland Gräf